Der alljährliche Wahnsinn
12.07.2009

Der CSD steht wieder vor der Tür. Motto des diesjährigen Happenings: “Unsere Freiheit muss auch unsere sein”. Vorab geboten wird laut der offiziellen Homepage eine Woche voller Kultur. Ein Blick in den Kalender verrät jedoch schnell, was dabei alles unter diesem Begriff verstanden wird: unter anderem eine 7-tägige “Cocktail Happy Hour”, Tischtennis im “Durchbruch” (Anm.: findet auch so jede Woche statt), Schlammsuhlen beim “5. Gay-Fetish-Meeting”, “Havana Spezial” im B-Sieben und selbst ein “Tag der offenen Tür” in der Szenesauna Nordic-Steam laufen darunter. Klischeehafter geht es kaum, wenn statt Anspruch nur Party und Sex geboten werden.

Am Sonnabend soll dann das große Defilee stattfinden, das wie üblich an Lächerlichkeit kaum zu überbieten sein dürfte, wenn angemalte und kreischende Tunten durch die Stadt paradieren und dort gegen ihre angebliche Unterdrückung demonstrieren. Ausgegrenzt wird man! Im Beruf! Im Privatleben! Bei den Rechten! Einfach überall! Aber stimmt das auch? Ist es nicht vielmehr so, dass nicht wenige sich durch das ausschließliche Bewegen in der sogenannten Szene selbst ins Abseits gebracht haben? Dass das mit den Jahren angenommene affektierte Getue auf andere derart abstoßend wirkt, dass man schon mit den Augen rollt, wenn eine dieser augenbrauengezupften Gestalten auch nur den Mund aufmacht - aus dem mitunter sowieso nur dummes Zeug kommt. Toleranz? Ja, bitte gern. Und davon reichlich. Aber auch nur für einen selbst. Liberalität versteht sich in dieser Parallelwelt nämlich häufig so, dass man diese gern für sich fordert, anderen gegenüber aber so gut wie gar nicht entgegengebracht wird. Wozu denn auch? Man lebt in seinem eigengeschaffenem Ghetto zwischen den beiden Homobars und den wöchentlich stattfindenden immergleichen Parties mit den immergleichen Leuten. Einen Platz für Außenstehende, den sogenannten “Heten” haben dabei oft nur die meist dicken besten Freundinnen inne, die im Prinzip ausschließlich dafür da sind, stündlich das eigene “gute Aussehen” zu bestätigen und vorgeschickt zu werden, um irgendwelche Leute anzuquatschen.

Der Gedanke des CSD’s war vielleicht mal vor 30 Jahren ein guter und vor allem passend zum damaligen Zeitgeist, heute aber wirken die Forderungen nach Gleichstellung so gut wie überflüssig und überholt. Wer würde freiwillig dem verlebten Volk, dass sich typischerweise zu Hauf anfinden lässt, ein Kind zur Adoption anvertrauen? Und welche der vielen Wesen, die sich allwöchentlich einen neuen Partner anlachen, ziehen es ernsthaft in Erwägung, zu heiraten, um dabei steuerliche Vorteile zu ergattern?

Nein, darüber zerbrechen wir uns darüber lieber gar nicht erst das vielfältig gefärbte Köpfchen und profitieren stattdessen von den kulturellen Cocktailpreisen in dieser Woche. Und wem das noch nicht genug ist, kann sich in der Sauna noch schnell dem stündlichen Kunst-Aufguss widmen. Der nächste laue dieses Treibens kommt spätestens in einem Jahr wieder.  Dann vielleicht mit dem Slogan “Sodom und Gomorrah für alle!”- auf jeden Fall aber was mit besoffenen halbnackten Kindern.

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Alles neu macht der … Juli
28.06.2009

Nachdem der Ekelimbiss “Kilo-Döner” im Friedhofsweg vor zwei Wochen schloss, möchte die Dönerbude von Aziz B. nun gern ein Bistro sein. Ein gelbes Sonnendach überspannt jetzt den Außenbereich und auch drinnen strahlt es in bedeckten Pastelltönen, die wohl auch an den Wänden einer Klinik verstrichen sein könnten.

Im Laden glänzt dazu noch etwas ganz anderes; die Preise. Die wurden nämlich am Publikum vorbei kräftig erhöht. Zahlte man für eine Hackfleischpizza vorher noch 5,50€, kostet diese nun schon 7€ und liegt damit nur knapp unter Joeys-Niveau. Und auch für all diejenigen, die nicht genug bekommen vom Dönerfleisch, von dem stets dicke Schleimfäden tropften; der kostet wieder 2,50€ mit normalem Fladenbrot. Wer unbedingt das penetrant schmeckende “hausgebackene Brot” haben muss, zahlt 30 Cent drauf. Allerdings empfiehlt es sich da, seine Portion “türkischen Müll” zum Beispiel vom ebenfalls vor Kurzem umgebauten Dönerladen neben dem Doberaner Hof am Gertrudenplatz zu holen. Die eigene Gesundheit sollte einem der Fußweg schon wert sein.

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Die große Promibeileidsabschiedsheuchelei
26.06.2009

Nach dem Ableben eines mehr oder weniger abgehalfterten “Popstars” geht das gleiche Phänomen um wie bei jedem toten Prominenten: die große Beileidsheuchelei. Die gibt es vor Allem bei einem bekannten und großen Chatportal. Viel Platz wird in Online-Headlines bereitgehalten, um seinem “Idol”, dass man ja die ganze Zeit über schon verhehrt habe, ein paar Zeilen und Abschiedsworte zu widmen. Seltsam daran ist nur, dass viele im gleichen Wortlaut zu denken scheinen, denn:

“MICHAEL JACHSON (1958 - 2009) - Deine Stimme, die vertraut war, schweigt. Ein Mensch, der immer irgendwie da war, ist nicht mehr. Was bleibt, sind musikalische Erinnerungen, die uns niemand nehmen kann.”

ist oft zu lesen. Einer dagegen versucht doch noch seine eigene persönliche Note hinzuzufügen und schreibt in holprigem Deutsch hinter den Text “Michael Jackson (50) gestorben”. Oder reicht die eigene Ausdrucksfähigkeit nur dazu, um eine Zeitungsüberschrift zu kopieren? Egal. Hauptsache, man hat was zu stehen. In drei Tagen prangt an gleicher Stelle sowieso wieder die Reklame für die nächste schlechte Party. Denn für manche Sachen kann man sich wohl nie zu schade sein.

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Sektfrühstück
19.06.2009

Bei einem Spaziergang morgens um fünf Uhr - und sei es nur, um mit dem Hund rauszugehen - kann man allerhand entdecken. Besonders am Freitag. Am Doberaner Platz wird sich darum gestritten, wer den letzten Döner bekommt. In einer Nebenstraße torkelt eine Schnapsleiche nach Hause. Eine Gruppe möchte noch zu jemandem nach Hause und weiter feiern.

Am Wall dagegen liegen die Bedürfnisse ganz woanders. Zwei Mädchen um die 18 kommen da nämlich aus Richtung Stadt. Plötzlich lässt die eine ihre Röhrenjeans herunter und hockt sich mitten neben den von Kastanien gesäumten Weg. Und als wäre es nicht vorher absehbar gewesen: die beste Freundin muss zufällig jetzt grade aus heiterem Himmel auch aufs Klo. So platziert sich die andere ebenfalls noch fast auf den Weg. Während man es nebeneinander gemächlich den Abhang herunterlaufen lässt, unterhält man sich über den Abend und diesen oder jenen Verflossenen, bis auch der letzte Tropfen vergossen ist. Nachdem die hautengen Hosen wieder mit aller Gemütlichkeit hochgezogen sind, folgt der Outfittest. Schockiert stellt die eine fest, dass ihre Beine nun voller Flüssigkeit sind. “Äh na klar! Die Hose ist doch voller Spritzer!”, sagt die andere.

Aber das macht nichts. Denn es ist Freitag Morgen und am nächsten Tag sind alle “Tränen” getrocknet.

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Erste Hilfe
13.06.2009

Großes Bohei auf dem Firmengelände! Mit lautem Knattern nähert sich ein Rettungshubschrauber, landet absolut filmreif auf dem Asphalt und fährt die Motoren herunter. Noch bevor der Notarzt einen Fuß auf die Erde gesetzt hat, ist eine schon längst am Tatort: die Kantinenfrau. Eilig läuft die in transparentes Weiß gekleidete zum nächsten Gabelstaplerfahrer, denn die sollen ja über alles bestens informiert sein.

Während die Rettungssanitäter im Schneckentempo mit einem Sicherheitsverantwortlichen Richtung Unfallort schleichen, schießen plötzlich aus allen Richtungen gleich vier Gabelstapler heran, um dann ausnahmsweise mal mit ihren Vehikeln in Schrittgeschwindigkeit zu fahren. Man könnte ja etwas verpassen.

Inzwischen hat sich die Hubschraubergeschichte schon herumgesprochen. Aus dem Lager kommen einige Mitarbeiter herangelaufen und wollen das Interessanteste von Nahem betrachten. Die Dame aus der Kantine trägt nämlich einen String, wie man vorher aus einem Fenster heraus beobachtet hat.

Das Ende vom Lied: jemandem ist nur etwas auf den Fuß gefallen und man muss sich fragen, wieso der Rettungsdienst wegen so einer Lapalie einen Hubschrauber schickt. Aber irgendwas muss mit den Krankenversicherungsgeldern ja bezahlt werden, nicht wahr?

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Stilblüten verwelken nicht
12.06.2009

Bei den seltenen Gelegenheiten zwischen  den Neubaugebieten im Nord-Osten und der Innenstadt mit dem ÖPNV unterwegs zu sein, sollte man keineswegs vergessen, einen genauen Blick auf die Fahrgäste zu riskieren.

Der Nachmittagsverkehr in Richtung Stadt ist da zum Beispiel geprägt von Insassen des Michaelshofes in Gehlsdorf, die sich schonmal quer durch die Straßenbahn im Wettstreit darüber befinden, wer einer Nutte wohl am ähnlichsten sieht. Dann gibt es die Arbeiterschaft, die ratlos, weil die BILD schon ausgelesen ist, auf ihrem Platz sitzt und die Scheibe anstarrt. Und schließlich sind da noch die kleinen Grüppchen von Teenies, die sich von Toitenwinkel aus in die große weite Welt zum nächsten “Orsay” aufmachen, um für die Party am Abend in der Platte auch standesgemäß angezogen zu sein. Dabei gibt es natürlich so einigen Gesprächsstoff. Die blondierte und fast ganz in rosa gekleidete Cindy (verlebte 15) zum Beispiel, bei deren Farbwahl man meinen könnte, jemand habe sich auf sie erbrochen, ist zusammen mit Ronny und “Jay” unterwegs und berichtet über ihren letzten Freund. Freudestrahlend erzählt sie, von ihm wie Dreck behandelt worden zu sein. Und als sie dann mit ihm schlussgemacht hat, habe er ihr “…eine reingehauen…”. Ronny und “Jay” ziehen ganz betroffene Gesichter, fangen allerdings an zu feixen, als Cindy kurz in den vorderen Teil der Bahn stöckelt, um eine Freundin zu begrüßen. Anschließend prüfen sie, ob ihre Hosen auch noch akkurat in die Socken gestopft sind.

Am Gerberbruch ist dann allerdings aprubt Schluss, denn der auf dem dortigen Kinderspielplatz versammelte Rest der Clique wartet schon. Vielleicht lernt Cindy ja dort auch ihren neuen Freund kennen. Und der verdrischt sie dann womöglich auch ein bisschen öfter als ihr Ex. Sie scheint es jedenfalls zu brauchen.

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Warnemünde: Rüpel-Rentner vs Terror-Möwen!
09.06.2009

Im Moment tobt ein Kampf auf Leben und Tod im beschaulichen Warnemünde! Die Parteien sind dabei ziemlich eindeutig definiert: rüstige Rentner gegen rabiate Raubvögel! Nachdem man seitens der Stadtverwaltung bereits ein Fütterverbot für Möwen angeregt hat, ist seitdem nichts passiert. Mit der langsam beginnenden Touristenschwemme nehmen die im Ostseebad wohnenden Rentner, die ihre vorletzte Ruhestätte liebevoll das “Quartier” nennen, nun selbst die Zügel in die Hand.

Schon sieht man gediegene Altherrenrunden im schrillen Friedhofsgrau samt erhobenem Zeigefinger wie Sekretärsvögel den Strom auf und ab staksen, nur darauf wartend, jemanden auszumachen, der ein Stück Brot fallen lässt und sich wie die Aasgeier auf ihn zu stürzen. Strafen von “tausenden Euro” werden da aufgefahren. Fruchtet das nicht, wird auch gern mit Prügel gedroht. Man sei ja schließlich im Recht! Die fiesen Vögel verhageln einem immerhin den Lebensabend! Seevögel in Warnemünde? Ja gern. Aber bitte nur auf Postkarten. Da vergeht selbst der gehässigen Lachmöwe das garstige Gackern.

Neben den selbsternannten silbergelockten Sherrifs besinnt man sich dann auch der Jugend bei der Flak und fährt noch ganz andere Geschütze auf. Mit Katapulten aus Stützstrümpfen wird am Wohnzimmerfenster gleich neben dem Kissen auf der Fensterbank die Kartoffelartillerie aufgebaut. Einen ganzen Sack voll habe man schon verschossen. In einer Nacht! Berichtet jedenfalls Opa Heise (69) in der Ostseezeitung, die sich mal wieder nicht zu schade dafür ist, den Hütern von Recht und Demenz eine Plattform zu bieten. Am nächsten Tag, und da kann man sich sicher sein, regen sich die Heises zusammen mit dem Rest der greisen Hausgemeinschaft über die Erdäpfel im Vorgarten auf. Und weiter: „Die Möwen nisten auf unseren Dächern. Sie fangen in hellen Nächten um 3 Uhr mit ihrem Gekreische an. Die Nacht ist dann für mich vorbei.“ Ja sollen sie mal froh drüber sein! Womöglich stünden sie dann noch zu spät auf und verpassten es, pünktlich ab 7 Uhr in der Früh vor der nächsten Artzpraxis zu stehen. Oma Heise ist ja, wie sie selbst sagt, seit dem Umzug ins “Quartier” vor 5 Jahren schließlich auch nur noch ein Nervenbündel! Zeternd werden noch die Nachbarn ins Boot geholt, die nicht mal mehr bei offenem Fenster schlafen können. Und um dem ganzen noch die Extraportion Dramatik zu verpassen, reißen die Möwen arglose Kleinkinder in der Nacht aus dem Schlaf!Eine “Unsitte” höchster Güte - auf Dächern nistende Möwen, die sich nicht an die Hausordnung halten!

Dabei sind nicht brotkrumenverstreuende Touristen das Problem, sondern eher der Abriss der Mittelmole, der den meisten Möwen ihre Brutplätze geraubt hat. Aber das passt ja nicht in das typische Schwarz-Weiß-Denken unserer lieben Generation 80+. Und wenn die Tiere irgendwann tatsächlich mal vertrieben sind, findet sich bestimmt ein anderer Grund, über den es zu mosern gilt.

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Greifswald: Nacht-Aktiv
23.05.2009

Nachdem die gut eine Autostunde entfernte Universitätsstadt Greifswald mit den letzten Besuchen immer sympathischer wurde, ging es per Bahn kurzerhand mal wieder dorthin. Ziel war der “TV-Club”, dessen ursächliche Namensgebung völlig schleierhaft blieb, denn weder war der Laden mit tausenden Bildschirmen ausgestattet, noch stöckelte auch nur eine Transe die vielen Treppen rauf und runter.

Stattdessen traf man teilweise auf Gäste, denen man wohl eher in Ortschaften mit wohlklingenden Namen wie Grimmen, Gnoien oder Gransebieth begegnen würde. Doch dank vorher mehr als reichlich konsumiertem Alkohol war das ziemlich egal. Genau wie die Musik, die häufig dank “Luetzenkirchen”, “Rihanna” und anderem uralten Singsang recht angestaubt daherkam. Höhepunkt in den alten Gemäuern war sowieso die Raucherlounge, die diesen Namen tatsächlich verdient hat. Denn ist diese in anderen Läden vor die Tür nach draußen verlegt worden, hat man mit alten Sesseln einen Extraraum eingerichtet, in dem sogar die Beschallung zum Einschlafen war. Fehlte eigentlich nur noch ein Klo-DJ.

Insgesamt lässt sich der Abend mit einer typischen Moyaveranstaltung vergleichen, bei der die Leute ausgetauscht wurden. Denn bekommt man generell beim Anblick der Rostocker hysterisch hopsenden Hupfdohlen sofort schlechte Laune, machen die Greifswalder mit ihrer doch sehr offenen Art selbst den schlechtesten DJ wieder wett.

Tip: Bei einem Besuch in der Stadt lohnt sich ein Besuch im Literaturzentrum Vorpommern mit angeschlossenem Café. Dort gibt es neben polnischen Bierkuriositäten und kostenlosen Salzstangen (Oho!) einen gut gemachten Milchkaffee. Schließlich ist das dort auch “…eine doppelt verlängerte Wiener Bohne mit warmer Milch und Schaum…”.

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